
Mittwoch, 17. Juni 2009
Palas de Rei
Mi. 17.06.2009: Mathias und ich stehen um
6:15 Uhr auf. Willi, Andreas und einige andere schlafen noch. Beim Frühstück
mit Mathias bemerke ich wie Laura im Bad verschwindet. Hätte ihr gerne nochmal
"tschüss" gesagt. Ok, ich habe ihr einen kleinen Zettel geschrieben
und ans Bett geheftet. Mathias ist schon weg und kurze Zeit später starte ich
dann auch. Es ist 7:40 Uhr. Für heute haben wir in Ponte Campana reserviert,
das sind gute 29 Km. Anfangs ist es total neblig und auch kühl. Nach wenigen
hundert Metern habe ich Mariya eingeholt und wir gehen ein Stück gemeinsam. Da
wir aber beide noch nicht so richtig wach sind, ist die Konversation recht mau
und so laufen wir bald wieder getrennt voneinander. Der Nebel verschwindet
gegen 10:30 Uhr und gibt den Blick auf wunderschöne, grüne Wiesen frei. So
bleibt das Panorama für lange Zeit. Kurz vor Palas de Rei überholen
mich Mathias und Mariya. Gegen 14:30 Uhr erreichen wir zu dritt die Herberge.
Obwohl Mariya nicht reserviert hatte, darf sie bleiben. Willi und Andreas
folgen etwa 3/4 Stunde später und haben Ingrid noch im Schlepptau. Außer der
Herberge ist hier nichts außen rum. Endlich mal nichts machen. :-) Andreas hat
sich auf der großen Wiese ausgebreitet und ich habe mich auf der Hängematte
etwas ausgeruht. Seitdem geht es mir auch etwas besser und ich kann mitlerweile
über den Scherz von Mariya und Mathias lachen. Beide haben sich, kurz vor der
Herberge, im Dickicht versteckt. Als ich vorbei ging, sprangen beide hervor mit
lautem Gebrüll. Natürlich hab ich mich zu Tode erschreckt. Die beiden haben
sich nur kaputt gelacht. Kurz vor dem Abendessen kommt noch Vojo vorbei. Ansich
ist die Herberge schon voll, doch da Vojo heute über 40 Km gelaufen ist, darf
er bleiben.








Dienstag, 16. Juni 2009
Portomarin
Di. 16.06.2009: Da ich wieder in einer
privaten Herberge bin und dort nicht geweckt wird, wache ich erst um 6:50 Uhr
auf. Um 7:45 Uhr nehme ich im Ort mit Mathias zusammen ein kleines Frühstück
und dann machen wir uns zusammen auf den Weg. Es geht über viele kleine Wiesen
und durch verträumte Wäldchen. Ab Barbadelo gehe ich
alleine und treffe kurz 2 Kanadierinnen - die 36jährige Laura und ihr doppelt
so alte Mutter. Gute 2 Stunden begleite ich die beiden. Da die Mutter
Knieprobleme hat, machen wir öfters eine kleine Pause. Ansich ist mir das
Lauftempo viel zu langsam und die vielen Pausen passen mir auch nicht, aber die
beiden sind so herzlich und super nett und wir verstehen uns so gut, dass ich
bei ihnen bleibe. Ich glaube die Mutter ist froh dass sich mal jemand mit
ihr unterhält und auch etwas schneller mit ihrer Tochter läuft, denn sie kommt
sich oft selbst als Klotz am Bein vor. Sie kommen aus Calgary. Später seile ich
mich doch ab und gehe wieder eine Weile allein. Kurz vor Portomarin, dem
heutigen Etappenziel, treffe ich Andreas und Willi. Gemeinsam gehen wir zur Herberge
und freuen uns dass Mathias schon eingecheckt hat und uns avisierte. So ist
unser Platz gesichert. Später treffen auch noch Laura und ihre Mutter ein und
ich freue mich. Gegen 16 Uhr kommt sogar noch Mariya und Stefan. Am Abend
kochen wir alle zusammen in der großen Gemeinschaftsküche.






Montag, 15. Juni 2009
Sarria
Mo. 15.06.2009: Als ich um 6:35 Uhr
aufwache, schlafen die Jungs noch. Nur die zwei Mädels die noch in unserem Raum
sind, sind schon weg. Ohne Frühstück breche ich gegen 8:10 Uhr mit Mathias auf.
Im Vorfeld hatten wir uns abgestimmt welche Strecke wir gehen und haben uns,
nicht für Samos und das schöne Kloster entschieden, sondern den kürzeren und
direkten Weg nach Sierra. Schon nach wenigen Metern höre ich Mathias klagen
dass er doch gerne den anderen Weg gegangen wäre und was er nun alles verpassen
würde. Leider zieht sich das Thema den ganzen Tag so fort. *aarggghh* Es ist
kühl heute und die Strecke führt anfangs duch viel Wald und der Weg scheint
mitten durch ein paar Bauernhöfe zu verlaufen. Hühhner, Ochsen, Katzen, Hunde,
alle laufen sie frei herum. Entsprechend sieht der Weg auch aus. Ich find´s
schön und verweile hier und dort einfach mal denn ich komme mir vor wie im
Märchenwald. Um 13:30 Uhr erreichen Mathias und ich völlig gemütlich Sarria. Da wir
uns sicher sind Willi und Andreas lange hinter uns gelassen zu haben, gehen wir
schon in die Stadt und schauen uns nach einer Herberge um. Die Herberge zwar
etwas eng, aber die vielen Gebäude haben was. Es gibt hier einen Raum mit einem
Kamin, eine Sonnenterrasse auf dem Dach, einen kleinen Teich mit einem
Rosengarten und viele kleine schöne Zimmer. Mathias und ich gehen hoch auf die
Dachterrasse und lassen uns die Sonne auf´s Hirn brezeln. Später kommen noch
Willi und Andreas. Die beiden erzählen ganz stolz dass sie den Weg über Samos
gelaufen sind und wie schön die Strecke war. Mathias ist außer sich :-) Da es
hier im Ort einen Outdoor-Shop gibt, kaufe ich mir ein neues Funktions-Shirt.
Mein jetziges von adidas gibt langsam den Geist auf. Um 19:30 Uhr treffen wir
uns noch mit einigen anderen Pilgern und essen im schlechtesten Restaurant auf
dem ganzen Camino. Bähh! Anschließend gehen wir in unsere Herberge und bekommen
jeder noch einen kleinen Schnapps im Kaminzimmer. Wie schön doch so ein Kamin
auch im Sommer sein kann. Urgemütlich sitzen wir zusammen. Um 22:15 Uhr liegen
wir erschöpft im Bett.






Sonntag, 14. Juni 2009
Triacastela
So. 14.06.2009: Um 6:35 Uhr werde ich
langsam wach, obwohl schon seit 6:00 Uhr Radau im Raum ist. Der Run auf die 1
Toilette und 1 Waschbecken ist schon in vollem Gange. :-( Frühstück fällt heute
eher kurz aus und so mache ich mich mit Mathias um 7:45 Uhr auf den Weg. Von La
Faba raus ist der Weg nur steinig und steil; so wie der gestrige Tag aufgehört
hat. Nach gut 1,5 Stunden erreichen wir O Cebreiro in 1.306
m Höhe und nehmen unser zweites Frühstück ein. Kurz schauen wir uns die kleine
Kirche an und lassen uns einen wunderschönen Stempel in den Pilgerausweis
geben. Dann geht´s auch schon weiter. Stetig geht´s bergab durch Wälder und
Wiesen, wunderschöne Ausblicke auf die umliegenden Berge. Ab Alto do Poio (1.337
m.ü.M.) verliere ich Mathias denn ich bin heute recht langsam unterwegs. Die
Blase an der Ferse schmerzt zwar nicht mehr so arg wie gestern, aber ganz weg
isses halt auch nicht. Und ich hab auch keine Lust dass es schlimmer wird, und
so gibt mir mein Körper zu verstehen dass ich humpeln soll. Tue ich hiermit.
Willi und Andreas überholen mich auch noch und ich bin für die restlichen 10 km
alleine unterwegs. Ich bin nun auch in Galizien angekommen - der regenreichsten
Region Spaniens. Und natürlich fängt es an zu regnen. Also anhalten, Rucksack
runter, Regenjacke rauskramen, Regenjacke anziehen, Rucksack wieder ordentlich
verschnüren und aufsetzen. Weiter geht´s. Nach 2 Minuten ärgert es mich dass
ich so nen Akt gemacht habe, der Regen hat aufgehört. Also Regenjacke wieder
aus, denn unter der schwitzt man ja gewaltig. Um 15:30 Uhr komme ich nach 26 Km
Tagesmarsch in Triacastela an. Der
Ort liegt 811 m.ü.M. Im Ort treffe ich Andreas, Willi und Mathias und wir gehen
gemeinsam zur Herberge. Zu meiner Freunde ist mein Kollege Sebastian auch schon
da obwohl er ja gestern nicht in La Faba blieb sondern noch weiter bis O
Cebreiro marschiert ist. Die Herberge ist recht neu und es gibt viele Duschen
und WC´s. Zu viert teilen wir uns wieder eine Waschmaschine. In der
Zwischenzeit kurz zum Supermarkt um isotonische Getränke für morgen zu kaufen.
Die Herberge ist mit 7 Euro recht teuer, dafür aber auch sehr geräumig und
sauber. Gegen 20 Uhr gehen wir zu viert ins Restaurant nebenan, es heißt
genauso wie die Herberge Xacobeo. Meine Entscheidung fällt auf das Pilgermenü
und entscheide mich vorweg für die Fischsuppe mit Garnelen (meine Finger sind 2
Tage später immer noch gelb) und als Hauptgang Rinderfilet mit Pommes. Sehr
lecker und sehr reichhaltig.







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